Rio de Janeiro – “am Zuckerhut”
Rio de Janeiro ist die zweitgrößte Stadt Brasiliens. Größer noch ist São Paulo. Hier leben 12 Millionen Menschen. Rio de Janeiro kommt aus dem Portugiesischen und bedeutet: „Fluss des Januars“. Der portugiesische Seefahrer Lemos hatte die Bucht im Südosten Brasiliens 1502 entdeckt und sie für eine Flussmündung gehalten.
Von 1763 bis 1960 war der „Fluss des Januars“ Hauptstadt, jetzt ist es Brasilia im Landesinnern. Dennoch ist Rio ein wichtiges Handels- und Finanz-Zentrum geblieben. Das Wahrzeichen ist der so genannte „Zuckerhut“, auf dem die Christusfigur „Christus Redentor“ mit ausgestreckten Armen steht.
Am Zuckerhut…
Der Zuckerhut ist ein steil aufragender Granitfelsen mit einer Höhe von 396 Metern. 38 Meter hoch ist das Christus-Abbild. Natürlich ist Rio wegen des Karnevals weltberühmt. Hinzu kommen die Paraden der Sambaschulen; sie sind die größten Umzüge der Welt und auch für Touristen attraktiv.
Kriminalität
Ein Problem ist die Kriminalität in Rio de Janeiro. Die Kriminalitätsrate ist ungewöhnlich hoch und besonders Manager aus anderen Ländern sind beliebte Ziele für Entführungen. Es gilt die Faustregel: Man sollte keinen teuren Schmuck auf die Straßen mitnehmen und immer etwas Geld bei sich haben, das man Kriminellen aushändigen kann. Spricht man als „Gringo“ kein Portugiesisch, dann gehen viele Diebe davon aus, dass ihnen die Beute verwehrt wird. Es kann gefährlich werden. In der Regel ist der Tourist in Rio in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt, wenngleich Anstrengungen gegen die Kriminalität unternommen werden.
Brasilia: Die Stadt aus der Retorte
Brasilia steht seit 1987 auf der Liste des Weltkulturerbes. Brasilia ist die Hauptstadt Brasiliens und hat mehr als 2 Millionen Einwohner. Sie leben auf dem zentralen Hochplateau des Landes in 1.158 Metern über dem Meeresspiegel.
Brasilia liegt 872 Kilometer von São Paulo und 930 Kilometer von Rio de Janeiro entfernt. Das Klima dort ist tropisch.
Brasilia ist für europäische Verhältnisse keine alte Stadt. 1891 wurde in der brasilianischen Verfassung festgeschrieben, dass eine neue Hauptstadt gebaut werden solle. 1922 fand die Grundsteinlegung statt. Immerhin liegt Brasilia im geografischen Zentrum des Landes und sollte so den föderalen Charakter repräsentieren. Von Vorteil war dabei die Entwicklung der Infrastruktur in einer quasi vergessenen Region.
Jahre vergingen
Die Umgestaltung begann erst 1956. Die nächste Eisenbahnlinie lag 125 Kilometer entfernt, die nächste brauchbare Straße 640 Kilometer entfernt. Das war ein Problem. Woher sollte man Baustahl und Bauholz problemlos bekommen? Die Materialien mussten über aus 1.200 bis 1.600 Kilometer Entfernung geholt werden. Sand und Kies gab es allerdings in Brasilia.
Der Präsidentenpalast gehörte zu den ersten Bauwerken. 1960 war dann die Hauptstadt eingeweiht. Rio de Janeiro verlor damit den Status, das politische und administrative Zentrum des föderalen Staates zu sein. Beliebt war der Umzug unter Staatsbeamten nicht. Die Regierung musste daher eine Frist festlegen. Wer nicht bis zum 7. September 1972 nach Brasilia zöge, werde entlassen. Den Diplomaten aus anderen Ländern wurde erklärt, sie verlören ihre Immunität, wenn sie ihre Botschaften nicht in Brasilia eröffneten.
Irrtum
Als Grundriss für die Stadt wurde die Form eines Kreuzes gewählt. Der Architekt Oscar Niemeyer war der Chef des staatlichen Bauamtes. Die öffentlichen Gebäude entwarf er. Wenn man sich die Bilder der Stadtanlage ansieht, geht man irrtümlich davon aus, dass der Umriss eines Flugzeuges geplant worden sei.
Nil oder Amazonas – welcher Fluss ist größer?
Amazonas oder Nil?
Nur knapp hat der Nil den Titel des längsten Flusses der Erde an den Amazonas verloren. Allerdings werden die Ergebnisse der NASA angezweifelt, weil unter Experten darüber gestritten wird, wie der Verlauf des verzweigten Amazonas exakt erfolgt. Nach Meinung der NASA, die sich auf eine Shuttle-Messung beruft, sei der Amazonas etwa 100 Kilometer länger als der Nil.
Indessen ist die Lage am Nil ähnlich verworren, weil nicht eindeutig bestimmt ist, wo sich dessen Quellen befinden. Der Titel „Längster Fluss der Welt“ muss daher in Frage gestellt bleiben.
Einen Superlativ für die Bücher der Rekorde und Weltwunder brauchen weder Nil noch Amazonas.
Datenblatt: Der Amazonas
Der Amazonas ist etwa 100-Mal so groß wie der Rhein. Zum Vergleich: Die Schweiz wäre in dieser Fläche wie eine kleine Insel. Vermutlich geht der Name auf die Tupi-Indios zurück. Sie nannten den Fluss Amassunú.
Länge des Stromes:
Zwischen 6.400km und 7.025km. Abhängig ist das davon, welchen Fluss die Geografen als Quellfluss ansehen. Die möglicherweise entfernteste Quelle liegt hoch in den Anden und 6.788 Kilometer entfernt von der Mündung. Die NASA hat eine Länge von 6.800 Kilometer ermittelt.
Wassermenge:
Zwischen 75.000 und 220.000 Kubikmeter pro Sekunde, abhängig von Monat und Ort. Selbst Hochseeschiffe können den Amazonas streckenweise befahren. In den Amazonas münden etwa 10.000 Flüsse. Im Mündungsbereich hat der Amazonas eine Tiefe bis zu 100 Metern.
Ausdehnung des Beckens:
6.112.000 km². Im Flusssystem des Amazonas bewegt sich im Vergleich zwei Drittel des Wassers aller Flüsse der Erde. Das Becken bedeckt rund zwei Fünftel des südamerikanischen Kontinents. Der Amazonas ist zwei- bis fünfmal größer als der Congo River im Herzen Afrikas.
Breite des Unterlaufs:
11 Kilometer
Breite an der Mündung:
100 Kilometer. Der Amazonas fließt in den Atlantik bei Brasilien.
Zahl der Nebenflüsse:
102.000, - 17 haben eine Länge von mehr als 1.600 Kilometer.
Hat Rodung der Regenwälder Folgen für Europa?
Die Abholzung der Regenwälder am Amazons kann sich auf das europäische Klima auswirken. Die Regenwälder produzieren Dunstwolken. Also nehmen sie nicht nur Kohlendioxid auf, das das Klima schädigt. Die Folgen der Rodung können sich durchaus in Europa bemerkbar machen. Auch deshalb muss die Weltgemeinschaft ein Interesse am Schutz der brasilianischen Regenwälder haben.
Der Verlust der Regenwälder ist nicht nur eine regionale Katastrophe. Was der Regenwald, auch am Amazonas, an Dunst entwickelt, reflektiert zum Beispiel schützend das Sonnenlicht. Das verdunstete Wasser erreicht dafür Höhen von 8000 Metern – und ist ebenso von zentraler Bedeutung für die Wärmezirkulation. Die Regentropfen bilden sich erst dort. Erdwärme wird in dieser Höhe freigesetzt und beeinflusst das Wetter vermutlich weltweit.
Indessen streiten Experten darüber, welche tatsächlichen Auswirkung die Abholzung des Regenwaldes hat. Es zeigt sich zum Beispiel am Nordpol, wie schnell und gravierend sich Klimaveränderungen auswirken. Dort schmelzen Gletscher schneller als prognostiziert.
Ähnlich gravierend sieht es auf den Malediven aus, dem Inselstaat an der Südspitze Indiens. Von den Atollen und 1199 Inseln wandern die ersten Bewohner nach Indien aus, weil das Meer das Land verschlingt. Möglicherweise sind die Malediven im Jahr 2100 nicht mehr bewohnbar.
Der Verlust der Regenwälder könnte hingegen wegen der fehlenden Wärmezirkulation unter anderem zur Versteppung der Böden in Europa beitragen, weil die fehlende Luftzirkulation Temperaturwechsel beeinflusst. Auf der anderen Seite kann es vermehrt zu Unwettern kommen.
Skalvenarbeit für die Acai Beere
In Brasilien setzen Großgrundbesitzer weiterhin Sklaven ein. Eine gerechte Entlohnung gibt es nicht. In Brasilien werden 50 Unternehmen auf einer Schwarzen Liste geführt. Sie beuten die Bevölkerung aus.
Mit Acai in die Unabhängigkeit
Es ist schwer, sich gegen die Ungerechtigkeit zu wehren. Wer das macht, wird mit dem Tod bedroht. Menschenrechtsorganisationen und Kirchen agieren vorsichtig. Wegen des Interesses an der Acai-Beere bilden sich neue Strukturen aus.
Kollektive
So haben sich Bauern zu Kollektiven zusammengeschlossen. Die Abhängigkeit von den Großgrundbesitzern ist nicht völlig gelöst, weil sie selbst oft Fabriken betreiben und den Preis für den Ankauf diktieren können. Die Bevölkerung wird auf ihrem Weg in die wirtschaftliche Unabhängigkeit unterstützt.
Neue Bedingungen
Neue Unternehmen lassen sich in Brasilen nieder, die die Acai-Beere für sich nutzen wollen. Sie räumen oftmals die bessere Bezahlung für die Ernte ein.
Acai Region Pará: Alles auf die Beere setzen?
Wie bei allen Frischeerzeugnissen muss die Acai-Beere nach ihrer Ernte so schnell wie möglich verarbeitet werden. Also ist ein breiter Industriezweig im nordbrasilianischen Bundesstaat Pará entstanden. Dort leben 6 Millionen Menschen.
Industrielle Vielfalt
Pará indessen hat mehr zu bieten als die Acai-Beere: Holz, Eisenerz, Tonerde oder Aluminium. Gefährlich wird es, wenn sich alle Industriebereiche auf die Acai-Beere konzentrieren. Ist das Interesse an der Beere nur eine Modeerscheinung, wird die Industrie auf Gedeih und Verderb von der Beere abhängig sein.
Regenwald und Industrie
Heute allerdings zeichnet sich Pará durch einen starken Kontrast aus. Einerseits ist der Bundesstaat überwiegend vom tropischen Regenwald bedeckt. Andererseits haben sich in der nordbrasilianischen Region stark expandierende Industriegebiete entwickelt.
Acai Rodung erhöht Treibhauseffekt
Viele Tausend Jahre hat der Boden seine Mechanismen entwickelt, wie er trotz der starken Sonneneinstrahlung der Vegetation eine Grundlage bietet. Der Boden ist nährstoffarm. Nach der Brandrodung nehmen Pflanzen die letzten Nährstoffe an. Sie sollen nicht im Boden verschwinden. Damit bildet der jedoch keine Grundlage mehr für die Vegetation. Es entsteht Ödnis und Steppe.
Treibhauseffekt
90 Prozent des gebundenen Kohlenstoffs ziehen bei einer Brandrodung in die Atmosphäre. Obwohl die Klimaforschung zahlreiche Aspekte berücksichtigen muss, geht sie davon aus, dass der Treibhauseffekt durch die Brandrodung begünstigt wird.
Brachland
Der Boden selbst verliert Kalium und Magnesium. So wird es auf dieser Fläche in den nächsten Hunderten von Jahren unmöglich sein, dass neuer Wald entsteht.
Eine bessere Zukunft dank der Acai Beere?
Die Bedeutung der Acai-Beere geht über die ökologischen Fragen weit hinaus. Nicht nur der Schutz des Tropischen Regenwaldes steht in der Diskussion. Es wird über die Gesundheit gesprochen. Es geht um Menschenrechte und Chancen für die Dritte Welt. Die Acai-Beere verspricht Zukunft und rüttelt Umweltschutzorganisationen auf.
Die Kohlpalme zeichnet sich im nordbrasilianischen Bundesstaat Pará durch ihre Größe aus. Sie wird 25 Meter hoch, hat geschwungene Fliederblätter. Die sind olivfarben. Unter Biologen existiert der Fachbegriff: “Oleracea Mart”.
Allerdings werden noch andere Bezeichnungen verwandt. Jucarar-, Assai- oder Acai-Palme nennt man sie.
Filigran
Die Acai-Palme wirkt trotz ihrer Bedeutung filigran. Grün-weiß ist die Rinde. Wenn bei uns der Herbst anbricht und der Schnee fällt, trägt sie in Brasilien Blüten. 24 Kilogramm der Beeren können während der vier jährlichen Ernten gewonnen werden. Etwa 1,5 Zentimeter groß ist eine Beere, die sich im Verlauf ihres Reifungsprozesses färbt, von Rot zu Schwarz.
Warnung vor dem Raubbau
Der Landbevölkerung dient die Acai-Beere zru Sättigung. Doch die Palme kann auf andere Weise genutzt werden. Die Blätter helfen den Menschen, sich vor dem Regen zu schützen. Matten entstehen aus den Fasern. Weil die Menschen so sehr auf die Palme angewiesen sind, warnen Umweltschützer vor dem Raubbau.
Kurz: Die Acai-Palme im brasilianischen Regenwald dient der Nahrung und dem Schutz der Menschen. Weltweit wird die Beere als Gesundheitselixier gesehen.
Hoffnung und Mut für Brasilien
Die Frauenzeitschrift “Brigitte” berichtet aus dem Alltag der Kleinbauern am Amazonas. Sie haben verstanden, dass ihre Zukunft an die Acai-Beere geknüpft ist.
Die Bedeutung der Acai-Beere für die Kleinbauern in Brasilien ist gewaltig. Das dokumentiert eine Reportage der Frauenzeitschrift “Brigitte“. Bisher lebte man dort mit der Natur und von ihr. Die Acai-Beere, so “Brigitte”, sei so wichtig gewesen wie die tägliche Milch für die Kinder. Doch blieb die Nutzung auf das tägliche Leben beschränkt, eines der Armut, der Mühen, der Hoffnung.
Nun aber könnten die Kleinbauern endlich lernen, wie wirklich gute Geschäfte gemacht werden. Die Sonne solle jetzt die Lebensverhältnisse erfassen, nicht nur die trocknen Straßen und die dampfenden, fruchtbaren Regenwälder.
Es scheint so zu sein, dass die Zukunft der Kleinbauern von einer Beere abhängt. Die Zukunft wachse an einer Palme, klein und rot.
“Brigitte” gilt als führende Frauenzeitschrift in Deutschland. Ihre erste Ausgabe erschien im Jahr 1954.
Autorin des Acai-Beitrages ist Lucia Coimbra, eine Lifestyle- und Modejournalistin aus Rio de Janeiro. Ihre Arbeit zeichnet sich durch besondere Nähe aus. “Brigitte” war gut beraten, keinen deutschen Korrespondenten zu entsenden, der Menschen und Umstände erst erfassen muss, gar konstruieren. Entstanden ist eine Reportage, die in das Leben anderer eintauchen lässt, deren Hoffnung die Welt da draußen ist.
Der Artikel “Die schwarzen Perlen vom Amazonas” ist auf den Internet-Seiten der Frauenzeitschrift erhältlich. Direkt zur “Brigitte”: http://www.brigtte.de/beauty/pflege/schwarze-perlen-1054650/




